„Wir bekommen keine politischen Vorgaben!“

Etliche freie Mitarbeiterinen und Mitarbeiter beim WDR wehren sich gegen Unterstellungen, es gebe politische Direktiven beim Sender. Ihr offener Brief spricht für sich selbst und kann genau hier unten seit dem Abend des 20. Januar mit Hilfe der Kommentarfunktion unterzeichnet werden. (Details siehe Textende.) Für Kommentierungen bitte die dazu gehörende Diskussionsseite benutzen.
Der Text wurde in der Mailingliste wdrfreie diskutiert und zur Unterschrift bereit gestellt. Hier der Brief:

Wir bekommen keine politischen Vorgaben!

Wir, freiberufliche Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks, distanzieren uns ausdrücklich von der aktuell öffentlich diskutierten Behauptung, es gäbe im WDR Vorgaben oder Anweisungen für eine politisch ausgerichtete Berichterstattung.

Niemand schreibt uns einen einseitigen oder parteipolitischen Inhalt vor. Politisch im freiheitlich-demokratischen Sinne, der sich im WDR-Gesetz ausdrückt, sind wir allerdings. Dort steht zum Beispiel unter Art.4.: „Der WDR soll die internationale Verständigung, die europäische Integration, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ein diskriminierungsfreies Miteinander in Bund und Ländern und die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern fördern, zum Frieden und zur sozialen Gerechtigkeit mahnen, die demokratischen Freiheiten verteidigen und der Wahrheit verpflichtet sein.“
Die meisten Beiträge im Fernsehen und Hörfunk erstellen wir Freie. Und wir werden weder vom Rundfunkrat, noch von „Kommissionen“, Regierungsstellen oder von Redaktionen dazu angehalten, in unseren Berichten einer bestimmten Richtung zu folgen. Themen werden in den Redaktionen kontrovers diskutiert, so wie es sich für eine Demokratie und einen demokratisch kontrollierten Sender gehört. Dazu zählen auch Gestaltungsfragen wie Dreh, Schnitt usw…, denn die Erstellung eines Radio- oder Fernsehbeitrags ist immer auch Teamarbeit. Niemand gibt uns aber politische Inhalte vor.

Dagegen würden wir uns – im Falle eines Falles – auch energisch wehren. Denn sonst wäre die Neutralität des Öffentlich-Rechtlichen im oben genannten Sinne nicht mehr gewährleistet. Und daran wollen wir nicht beteiligt sein!

Wir haben andere Probleme!

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk leidet viel mehr unter einem ganz anderen Druck: dem Diktat des Sparzwangs! Die Folgen bereiten uns in der Tat große Sorgen: immer weniger Geld für guten, unabhängigen und investigativen Journalismus. Den möchten wir unbedingt erhalten. Deshalb arbeiten wir für den WDR.

Wir haben noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und lassen uns durch politische Einflussversuche nicht gängeln! Die wahren Feinde der Pressefreiheit sind diejenigen, die Kritik an ihren Positionen nicht gelten lassen wollen und sich nur allzu sehr freuen würden, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk abgeschafft würde.

Unser Appell lautet deshalb: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss gestärkt werden. Er ist ein Gegenpol zu einer einseitigen, populistischen Berichterstattung. Und das sollte auch so bleiben.“
Die ersten Unterzeichnerinnen und Unterzeichner (weitere siehe unten):
Daniel Blum, Autor WDR 5 – Christian Brans-Schreckeneder, Autor und Reporter, Studio Duisburg – Anke Bruns, Studio Köln – Heinrich Buttermann, Regionalkorrespondent – Richard Derichs, Studio Aachen – Anna Florenske, ARD-Freie Köln – Clemens Gersch, WDR-Fernsehen – Jens Gleisberg Autor WDR Fernsehen – Mathias Haentjes, WDR-Fernsehen Gesellschaft und Dokumentation – Chadia Hamadé, WDR Studio Duisburg – Marfa Heimbach, freie Autorin, ZeitZeichen – Katharina Heinrich. Radioautorin – Armin Himmelrath, Autor für wdr2/ wdr5 – Klaus Martin Höfer, freier WDR-Hörfunkautor – Johannes Höflich, PG Inland – Petra Hoffmann, Autorin/Regisseurin f. Reportagen und Dokumentarfilme – Matthias Holland-Letz, WDR-Hörfunk und Fernsehen – Rita Jäger, WDR-Studio Wuppertal – Michael Jung, WDR-Studio Duisburg – Thomas Kalus, Studio Düsseldorf – Jürgen Kura, WDR-Fernsehen – Robert Levin, WDR Newsroom Köln – Petra Müller, Autorin WDR 5 – Hellmuth Nordwig, WDR5 Wissenschaft Umwelt Technik – Ulli Schauen, diverse Redaktionen in TV und Radio – Karin Schneider, Studio Aachen – Wolfgang Stenke, WDR 3 – Aktuelle Kultur – Tina Srowig, WDR-Fernsehen – Andi Ueding, WDR-Radio – Petra Vennebusch, Freie Autorin, WDR-Studio Duisburg

——————————-

Ihre „Unterschrift“ können weitere freie MitarbeiterInnen hier per Kommentarfunktion unter den Brief setzen. Nur Unterstützer/innen, die ihre eine gültige Mailanschrift (die nicht veröffentlicht wird), sowie ihren Arbeitsbereich als Freie beim WDR angeben, werden hier akzeptiert, alle anderen Kommentare/Unterschriften werden ohne Vorankündigung gelöscht. Deren Verfasser haben sowieso nicht bis zum Ende gelesen 😉 … Kommentare und Diskussionen nur auf der gesonderten Diskussionsseite!  Die Zahl der bisherigen Unterstützer/innen errechnet sich aus 29 (oben genannt) plus den hier unten angezeigten Anzahl der Kommentare.
(Auch wenn der Brief nur Radio und TV beim WDR nennt – die freien MitarbeiterInnen für die WDR-Website sind ebenso  gemeint.)

156 Gedanken zu „„Wir bekommen keine politischen Vorgaben!““

  1. Jürgen Kleinschnitger
    Reporter I Journalist
    PB I: markt/plusminus & sport inside, PB IV: Studio Dortmund u.a.
    WDR Hörfunk

  2. Seit 30 Jahren im Herzen der Landespolitik: Nein, mir hat noch niemand vorgeschrieben, was und wie ich ein Thema zu behandeln habe!! Der einzige Maßstab – und das ist schwer genug – heißt: die Fakten müssen stimmen und wir sollten wissen, worüber wir reden! Das ist nicht durch politische oder sonstige Vorgaben gefährdet, eher durch den zu Recht beschriebenen Spardruck. Ich finde gut, dass wir dieses Thema in den Mittelpunkt der Debatte stellen. Gruß Jürgen Zurheide

  3. Hallo tsamm,

    Der WDR soll die internationale Verständigung, die europäische Integration, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ein diskriminierungsfreies Miteinander in Bund und Ländern und die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern fördern, zum Frieden und zur sozialen Gerechtigkeit mahnen, die demokratischen Freiheiten verteidigen und der Wahrheit verpflichtet sein.“
    Das unterschreibe ich.
    Libn grus
    Karsten Völtz, Ton, WDR-Aachen

    1. Ähem, so wirst Du aber hier mitgezählt als Unterschrift… Das scrollt doch keiner bis unten durch. Man muss sich auf die Ziffer verlassen können. Also bitte nur auf der Diskussionsseite zu dem Brief Äußerungen machen, die nicht eine Unterstützung des gesamten Textes beinhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*