Kürzung der WDR-Werbung: Hauptsächlich freie MitarbeiterInnen betroffen

neid_550pxDer Beschluss des NRW-Landtages mit der Verabschiedung des neuen WDR-Gesetzes die Werbung im Hörfunk einzuschränken, schädigt hauptsächlich die sowieso schon gebeutelten freien MitarbeiterInnen. Die Regierungskoalition aus Grünen und SPD kürzt die Werbezeiten im WDR-Radio ab 2017 von bisher 90 auf 75 Minuten, ab 2018 sogar auf 60 Minuten. Das wirkt sich direkt auf den disponiblen Etat aus, also auf den Topf, der nicht schon für sowieso begonnene Daueraufgaben verplant ist. Also sind die Hauptbetroffenen die schon gebeutelten Freien MitarbeiterInnen, die aus dem verfügbaren Etat bezahlt werden. (Mit update nach dem Beschluss)

Die WDR-Redakteursvertretung hatte noch am Morgen der Entscheidung an die NRW-Landtagsabgeordneten appelliert, der Beschlussvorlage von SPD und Grünen nicht zuzustimmen. Sie schrieb:

„Offensichtlich plant die NRW-Landesregierung künftig die Werbezeiten im WDR-Radioprogramm von heute 90 auf 60 zu beschränken, nur noch in einem Programm Werbung auszustrahlen und die so entstehenden Einbußen nicht zu ersetzen. Damit vollzieht die Koalition aus SPD und Grünen zum zweiten Mal in nur zwei Jahren eine komplette Kehrtwende.

Die Redakteursvertretung im WDR ist überrascht und reagiert entsetzt auf die gestrige Probeabstimmung zum neuen WDR-Gesetz. Wir lehnen den unerwarteten Vorstoß ohne eine finanzielle Kompensation für Mindereinnahmen nachdrücklich ab.

Anstatt in Zeiten dauerhafter Angriffe gegen öffentliche-rechtliche Sender und andere Qualitätsmedien (Stichwort „Lügenpresse“) ein Bekenntnis zu Bestand und Entwicklung des WDR abzugeben, schwächt die Landesregierung mit ihrem Vorhaben ohne Not die Stellung und den Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien in Nordrhein-Westfalen, vor allem die Zukunft des Hörfunks. Nur eine seriöse Finanzierungsperspektive kann den Anspruch an ein öffentlich-rechtliches Programm in Qualität und Vielfalt erfüllen. Dazu gehören neben dem Rundfunkbeitrag derzeit unverzichtbar auch die Einnahmen aus der Rundfunkwerbung.

Gerade in Zeiten beispielloser, gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen und einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft sind ein solider öffentlich-rechtlicher Rundfunk genauso wie andere Qualitätsmedien unverzichtbare Garanten für den Erhalt der freiheitlichen Demokratie und der Werte von Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Genau zu diesem Zeitpunkt die Finanzierung in Frage zu stellen, heißt, den WDR bei der Erfüllung seines Programmauftrags zu behindern und sogar zu gefährden.

Natürlich wünschten sich die Redakteurinnen und Redakteure im WDR Programme ohne Werbeunterbrechungen, weil dies die Distanz der Programme von den Werbetreibenden unterstreichen würde. Solange jedoch die Mehreinnahmen aus dem Rundfunkbeitrag, der verächtlich „Zwangsgebühr“ genannt wird, auf Sperrkonten liegen und die KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) anstatt einer geringen Beitragserhöhung sogar eine Senkung anstrebt, ist der Verzicht auf die Einnahmen aus der Rundfunkwerbung ohne Kompensation fahrlässig und kurzsichtig.

Unser Publikum erwartet zu Recht hervorragende, kritische Berichterstattung unter anderem von einem der größten Korrespondentennetze der Welt, hochkarätige Fernsehspiele und Dokumentationen, anspruchsvolle Unterhaltung, frei empfangbare Sportberichterstattung, die sich nicht an Werbepausen orientiert, sowie Hörspiele und Musik wie sie kein anderes Medium in Europa anbieten kann. Deshalb muss eine dauerhafte und verlässliche Finanzierung gesichert werden.

Als Redakteursvertretung des WDR fordern wir deshalb alle Abgeordneten des Nordrhein-westfälischen Landtags auf, dieser übereilten und programmgefährdenden Kürzung der Werbung im WDR-Hörfunk bei der heutigen Abstimmung nicht zuzustimmen.

Die Redakteursvertretung des WDR

3 Gedanken zu „Kürzung der WDR-Werbung: Hauptsächlich freie MitarbeiterInnen betroffen“

  1. Der NDR sendet doch auch nur 60 Minuten Werbung. Dort kommt man mit dem Geld doch auch aus? Ist das Programm deswegen beim NDR schlechter als das vom WDR. Ich finde nicht…

  2. Rot-Grün erfüllt mit WDR-Gesetz Wünsche der privaten Verleger

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert, dass die rot-grüne Landesregierung in NRW in der morgigen Landtagssitzung mit der Novellierung des sogenannten WDR-Gesetzes eine Reduzierung der Werbezeit in den Radioprogrammen des WDR beschließen will, ohne dass es dafür, wie vorab versprochen, eine Kompensation bei den Gebühreneinnahmen geben soll. „Rot-Grün in NRW bricht ein politisches Versprechen. Für die Beschäftigten hat das fatale Folgen. Wir appellieren an alle Landtagsabgeordneten, dem Gesetz nicht zuzustimmen. Ohne Kompensation an anderer Stelle gehen Arbeitsplätze verloren und fehlt Geld für gute Programme. Der öffentliche-rechtliche Rundfunk wird dadurch ebenso geschwächt wie der Medienstandort Nordrhein-Westfalen. Das Gesetz ist ein Geschenk an die privaten Medienunternehmen“, kritisierte ver.di-Sekretär Bernd Fiegler.

    Die Fraktionen von SPD und Grünen hatten heute mitgeteilt, dass sie in ihren Fraktionssitzungen der Reduzierung der Werbezeit in den Radioprogrammen des WDR zugestimmt haben. Ab 2017 soll Werbung nur noch in zwei Programmen mit maximal 75 Minuten täglich erlaubt sein. Derzeit sind es 90 Minuten in drei Programmen. Ab 2019 soll dann dem Wunsch der Zeitungsverleger und Privatradios gefolgt werden: Dann sollen nur noch maximal 60 Minuten Werbung in einem einzigen Programm möglich sein. Im Vorfeld des Gesetzverfahrens hatten Vertreter der Landesregierung versichert, man werde solch eine Gesetzesnovelle im Alleingang nicht beschließen, sondern sich zuerst um eine bundesweit abgestimmte Lösung zur Kompensation via Gebühreneinnahmen einsetzen.

    Fiegler betonte, dass durch den Schritt nicht nur weniger Geld für Hörfunkprogramme zur Verfügung stünde, was zu Lasten der Arbeitsplätze der freien und festen Kolleginnen und Kollegen des WDR-Hörfunks geht. Gefährdet seien auch Arbeitsplätze bei der WDR mediagroup, der kommerziellen Werbetochter des WDR, und in der nordrhein-westfälischen Werbewirtschaft. „Fest steht jetzt nur der Einnahmeausfall von mehreren Millionen Euro jährlich. Wie viel davon bei der Festlegung der Rundfunkgebühr kompensiert werden kann, steht hingegen in den Sternen.
    ver.di

    Berlin, 26. Januar 2016

  3. Danke! Da kann ich nur zustimmen, obwohl ich lieber einen Hörfunk (und ein Fernsehen) ohne Werbung hätte. Wenn aber ein seriöses Programm anders nicht möglich ist, dann ist Werbung besser, als das Programm noch weiter zu beschränken und uns Freie endgültig auszutrocknen.

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