"Ein bisschen unterversorgt" - Freie im Personalrat (Interview teil 3)

Die Tür zum Personalratszimmer der FreienberaterInnenDas Hauptproblem vieler Freier beim WDR: Ihre Arbeit wird ihnen gekürzt. Und die Ressourcen für die Personalratsarbeit der Freien könnten mehr sein, findet Johannes Höflich. Teil 3 des INterviews mit den drei ver.di-Freien unter den WDR-Personalräten.

 

Ulli Schauen Was sind denn die Hauptprobleme der Freien und was macht ihr gegen sie?

Anja Arp Also von jeder Beratung wird ein Protokoll angelegt. Und das wird dann referiert, mittwochs auf der Sitzung. Also wir haben da einen Tagesordnungspunkt, wo es eben genau um Freienberatung geht. Wenn neu aufgetauchte Probleme gibt, dann versuchen wir eben im Plenum das zu erklären und diskutieren dann gemeinsam, was zu tun ist. Und in der Beratung selber ist, würde ich sagen, im Moment das Hauptgeschäft Bestandsschutz.

Karl Horn Weil es immer mehr Leute hat, die Beendigungs- oder Teilbeendigungsmitteilungen bekommen.Beendigungsmitteilungen Gottseidank sehr wenige. Aber Teilbeendigungsmitteilungen bzw. auch solche Fälle, wo Kolleginnen und Kollegen dezent auf dem Flur von dem Abteilungsleiter auf die Seite genommen werden und es wird ihnen gesagt, ab nächster Woche fällt deine Sendung weg. Und du hast nichts mehr zu tun. Die Leute kommen natürlich dann entsprechend aufgeregt und erschüttert zu uns. Weil es sich immer grundsätzlich komischerweise nur um langjährige Freie handelt, die also seit zum Teil 20, 25 Jahren hier beschäftigt sind. Die dann bei uns hier im Büro stehen und sagen: Hallo, was soll ich tun? Die Altersgruppe im Bestandsschutz ist grundsätzlich, ich sag mal, über over 50. Über 50. Grundsätzlich. Dann merken wir halt, dass ein sehr starkes Herausdrängen der Älteren aus Hörfunk und auch aus Fernsehen, passiert. Eine Frau, Kind, gerade Wohnung gekauft, plötzlich entlassen. Das mit 51, 52 jetzt auf der Straße. Das geht nicht.

Ulli Bringt der der Sozial- und Bestandsschutztarifvertrag einiges? Ist das ein gutes Handwerkszeug, mit dem ihr arbeiten könnt? Wo ihr was rausholen könnt für die Leute?

Johannes HöflichJa, doch. Also das haben wir erfahren, das haben wir schon öfter gemacht. Ich erinnere mich hier an einen Fall. Ein Kollege, der schwer krank war. Der gar nichts mehr kriegen sollte. Im Studio Bielefeld. Und da ist doch ziemlich übel mit ihm umgegangen worden. Es wurde versucht, ihn aus dem Bestandsschutztarifvertrag heraus zu drüngen. Weil die Studioleitung sich erhofft hatte, dann gar nichts zahlen zu müssen. Da konnten wir schon erfolgreich einschreiten. Und ich glaube, der hat so um die 30.000 Euro dann als Abfindung doch bekommen. Das war für den Mann dann schon einmal eine existentiell wichtige Sache.
Ähnliche Fälle hatten wir auch öfter auch mit Honoraren, die zu schlecht bezahlt wurden, und die dann nachhonoriert wurden. Da ging es dann auch zum Teil um fünfstellige Summen, die nachgezahlt werden mussten. Und da haben wir schon eine schöne Erfolgsbilanz.

Anja Nur kurz zum Bestandsschutz. Es ist wirklich ganz wichtig, dass alle, die in irgendeiner Form davon betroffen sind, zu uns in die Sprechstunde kommen. Weil der Bestandsschutz ist eine sehr individuelle Sache. Und es gibt auch ein paar Spielregeln, an die man sich halten muss. Und deshalb ist es wirklich ganz wichtig, in die Beratung zu kommen, wenn man davon betroffen ist.

Johannes Wir haben für viele was erreichen können. Aber wir dürfen eben auch nicht vergessen: Wir haben rund zweitausend 12 A-Freie. Rund 2.000. Und, gut, wir sind fünf Leute im Personalrat. Aber wir dürfen nicht freigestellt werden. Wir haben zwar den Rainer Marquardt als Zuständigen, der sich auch bemüht. Aber wenn man mal überlegt, dass wir 2.000 Wählerstimmen haben und ein Viertel des Personalrats fast stellen. Und durch uns hier auch eine vierte Bürokraft gekommen ist. Wenn man das jetzt mal so aufteilt, was für die Freien passiert, ist das eigentlich immer noch viel zu wenig. Muss ich sagen. Eigentlich müssten hier neben uns noch zwei, zwei Freigestellte sitzen und sich ausschließlich um Belange der Freien kümmern und viel mehr Druck machen. Wir haben ja schon Schwierigkeiten, überhaupt Zahlenmaterial zu kriegen. Was die Kürzungen betrifft. Und da bin ich gerade wieder dran. Muss mich da stundenlang rumschlagen. Wir könnten noch viel mehr machen. Und wir sind immer noch so ein bisschen unterversorgt mit den Kapazitäten. Und gerade weil wir ja 2.000 Wählerstimmen haben. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Freien sich an den Wahlen beteiligen. Und, da finde ich, das müsste sich eben auch so in der, naja, in der materiellen Aufsplittung des Personalrats widerspiegeln. Und das tut es im Moment leider noch zu wenig. Das finde ich.