Freie im Personalrat - eine Bilanz (Teil 1)

Die drei WDR-PersonalrätInnen von ver.di: Karl Horn, Anja Arp, Johannes HöflichUnsere Bilanz ist positiv, sagen die freien ver.di-Personalräte im WDR. Ein Interview vier Monate vor Ende der Wahlperiode - und kurz vor Aufstellung der neuen ver.di-Liste.

Seit über vier Jahren können auch arbeitnehmerähnliche freie MitarbeiterInnen in NRW den Personalrat wählen und selbst als Personalräte kandidieren. Im WDR stieg deshalb die Zahl der Wahlberechtigten um rund 2000 auf etwa 7.000. Der Personalrat wuchs erheblich, und es wurden im Frühjahr 2012 fünf freie MitarbeiterInnen in das Gremium gewählt. Drei gehören ver.di an, zwei dem Deutschen Journalistenverband.

Die Bilanz sei positiv. Und zwar wegen der Freienberatung des Personalrats und dadurch, dass die Vertreter der Freien Mitarbeiterinnen im Personalrat und anderen Gremien nun ihre Interessen artikulieren können. Das sagen die freiberuflichen ver.di-VertreterInnen im WDR-Personalrat, die sich an diesem Mittwoch, 13. Januar 2016, bei der ver.di-Mitgliederversammlung erneut für die Aufnahme in die ver.di-Kandidatenliste bewerben.

Auf meine Fragen antworten Anja Arp (Hörfunkjournalistin), Johannes Höflich (TV-Journalist) und Karl Horn (Kameramann) (Die DJV-VertreterInnen werde ich in der Woche danach befragen.)

Ulli Schauen

Wie ist auf einer Skala von eins bis fünf Eure Bilanz der Personalratsarbeit für die Freien in diesen Jahren?

Anja Arp

Eins wäre sehr gut und fünf wäre schlecht? Da würde ich sagen gut.

Ulli

Also zwei.

Anja

Zwei.

Johannes Höflich

Drei.

Karl Horn

Da würde ich mich dem Johannes anschließen, auch eine drei.

Ulli

Dann, Anja, was ist denn für Dich besonders gut gewesen in dieser Zeit?

Anja

Na ja, ich habe ja ein bisschen den Vergleich, weil ich ja schon lange die Freienarbeit für Ver.di im WDR mache. Anja ArpAlso zumindest die Tarifverhandlungen. Und ich muss sagen, seit wir im Personalrat sind, werden wir viel, viel mehr gehört. Also wir sind immer ein Themenpunkt auf jeder Sitzung am Mittwoch. Und die Probleme von Freien und die „12a-Fragen“, also die Fragen der arbeitnehmerähnlichen Freien sind, glaube ich, sehr viel mehr im Bewusstsein der Belegschaft insgesamt angekommen. In meiner Wahrnehmung ist es zumindest so, dass die Freien eigentlich vorher quasi nur in den Abteilungen eine Rolle gespielt haben, wo sie eben gearbeitet haben. Aber überhaupt nicht in dem Bewusstsein insgesamt vom WDR. Und, ich glaube, dass hat sich verändert.

Ulli

Siehst du das auch so, Johannes? Und was ist dein Grund, eine 3 zu geben statt einer 2?

Johannes

Ja. Also die positiven Sachen, die Anja geschildert hat, stimmen. Also wir werden viel stärker gehört. Jöhannes HöflichUnd die Freien haben auch im Personalrat, im Betrieb, jetzt eine Stimme. Und auch ein Gewicht. Und das ist unheimlich viel wert. Früher war es ja so: Da waren die Freien Kostenfaktor, obwohl die das Programm gemacht haben, zum überwiegenden Teil. Und jetzt ist es auch so, dass sie unter Kolleginnen und Kollegen auch als Menschen wahrgenommen werden. Und das ist schon mal toll. Auch dass wir im Rundfunkrat, in den ich als ein Personalratsvertreter gehe, auch die freien Interessen vertreten können. Dort ist vielen erst einmal bewusst geworden, dass das Programm von Freien gemacht wird. Weiterhin positiv ist auch die Beratung, die wir hier machen. Wir sitzen hier gerade in einem Beratungsraum. Wir machen das zweimal die Woche, abwechselnd. Und da konnten wir schon hunderten Kollegen richtig helfen. Indem wir denen Urlaubsentgelt besorgt haben. Indem wir ihnen geholfen haben beim Krankengeld. Indem wir ihnen geholfen haben beim Bestandsschutz. Was immer wichtiger wird. Oder auch einfach, indem wir ihnen Tipps und Tricks verraten haben, wie sie mit den Tarifverträgen umgehen. Was viele gar nicht wissen. Also das sind die ganz positiven Sachen, die man gar nicht deutlich genug herausstellen kann.

Und dann habe ich eine drei gegeben, weil ... (siehe Teil 2 des Interviews, "Streitpunkt Freistellung")

Fotos: Ulli Schauen