S. 252 / 253 Freistellungsbescheinigungen des Finanzamtes

Das Formular für Einnahmen-Überschussrechnung des FinanzministeriumsWenn eine Freie sozialrechtlich als unselbstständig gilt, steuerlich jedoch als selbstständig, wirft der Zuständige im WDR in jüngerer Zeit offenbar häufiger einen Blick auf die Freistellungsbescheinigung des Finanzamtes, die bisher dafür sorgte, dass keine Lohnsteuer abgezogen wurde. Auf der Freistellungsbescheinigung ist ein Beruf genannt, beispielsweise „Journalistin“.1 Weicht diese Berufsbezeichnung von dem Etikett ab, das der (überwiegenden) Tätigkeit beim WDR verliehen wurde und das für die Einstufung als nichtselbstständig verantwortlich ist? Steht dort beispielsweise „Reporterin“? Dann fordert der WDR die Freie dazu auf, beim Finanzamt die alte Freistellungsbescheinigung prüfen zu lassen. Wenn dies nicht geschieht, wird der Freien in Zukunft Lohnsteuer abgezogen, auch wenn sie das nicht wünscht.

Wenn Sozialversicherung und Steuer "auseinander fallen".

Nach Darstellung des WDR-Verantwortlichen ist das Vorgehen im beiderseitigen Interesse, komme selten vor und führe in diesen seltenen Fällen so gut wie nie zu Konflikten. Die Freie entgehe so dem Risiko, dass die Finanzbehörden die Arbeitgeberleistungen zur Sozialversicherung als steuerpflichtige Einnahmen wertet. Und der WDR entgehe dem Risiko, dass der Lohnsteuervorabzug vom Sender als Arbeitgeber eingefordert werde, und das rückwirkend für vier Jahre.

Wenn ihr allerdings in einem großen Umfang außerhalb des WDR „auf Rechnung“ arbeitet, habt ihr Chancen, dem zu entgehen. So gibt es durchaus weiterhin freie Kameraleute beim WDR, für die keine Lohnsteuer abgezogen wird, obwohl sie Sozialversicherung als Unständig Beschäftigte zahlen – weil die bis zu fünf Prognosetage beim WDR nur einen geringen Anteil ihrer Tätigkeit ausmachen.

1Eine Bezeichnung, die im Tätigkeitskatalog der Sozialversicherungsträger und im „Künstlererlass“ der Finanzbehörden überhaupt nicht vorkommt.

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